Digitalisierung treibt den Aktienkurs

10 Oktober 2018 by Jürgen Dufner

Category: Alle, Digitalisierung

Der folgende Beitrag ist von dem Gastauthor Jürgen Dufner verfasst worden.

Wirecard verdrängt Commerzbank

Am Montag, 24. September 2018 wurde ein Gründungsmitglied des DAX, die Commerzbank durch Wirecard ersetzt. Als Basis für eine solche Entscheidung dienen der Börsenumsatz (Handelsvolumen) und der Börsenwert (Marktkapitalisierung). Gerade bei der Marktkapitalisierung nähert sich Wirecard dem Doppelten der Commerzbank.

Auch der Aktienkurs der beiden Unternehmen hat sich höchst unterschiedlich entwickelt: Lag der Kurs der Commerzbank Ende 2007 noch bei etwa 175€ sank er 2012 auf unter 10€ und blieb auf diesem niedrigen Niveau, aktuell ca. 8€. Der Kurs ist in den letzten 20 Jahren auf ein Zwanzigstel gesunken ist. Im Gegensatz dazu stieg der Kurs von Wirecard von Ende 2007 bei etwa 9€ auf aktuell ca. 190€, ist also um das Zwanzigfache gestiegen.

Nur Symptom oder doch Ursache?

Was ist hier passiert? Wie konnte es soweit kommen, dass eine renommierte Bank durch ein Fintech verdrängt wird? Ist das ein bedauerliches Einzelschicksal, das durch die Finanzkrise ins Schleudern gekommen ist und sich nicht mehr daraus befreien konnte? Haben andere Banken die Finanzkrise besser überstanden?

Auch andere Banken scheinen der Herausforderung nicht gewachsen zu sein, sie befinden sich seit Jahren auf einem Seitwärts- oder Abwärtstrend. Aber es gibt Ausnahmen wie, bspw. die JPMorgan Chase, die ihren Kurs seit der Finanzkrise 2007 mehr als verdreifacht hat. Aber das war auch nicht kostenlos. Dieses Jahr investiert sie $10,8 Milliarden in IT, die Strategie ist „digital everything.“ Das ist keine einmalige Sache, bereits 2016 gab sie $9,5 Milliarden aus um die IT-Prozesse in den Griff zu bekommen.

Man sagt, dass Aktienkurse die Zukunft vorwegnehmen. Viele Banken haben nach der Finanzkrise den Turnaround nicht geschafft. Möglicherweise sind da viele Faktoren daran schuld, möglicherweise ist aber gerade die Fähigkeit seine IT zu erneuern und die Digitalisierung voranzutreiben eine entscheidende Fähigkeit. Die Strategie einiger Banken durch Kooperation mit Fintechs die Digitalisierung in den Griff zu bekommen ändert immer noch nichts daran, dass in den Rechenzentren der Banken noch alte Systeme ihren Dienst tun, deren Entwickler schon ihren Ruhestand genießen oder kurz davor stehen.

Effektive IT als Notwendigkeit

Wie können die Banken das Versinken in Bedeutungslosigkeit verhindern? Auf diese Frage scheint es derzeit nur eine Antwort zu geben:

  1. IT gründlich modernisieren
  2. Dem Kunden Nutzen bieten.

Zur Modernisierung kann es unterschiedliche Strategien geben: Von selbst neu bauen bis hin zur Auslagerung von kompletten Geschäftsprozessen. Es muss aber effektiv sein. Durch die Modernisierung muss Kundennutzen realisierbar sein. Das ist wichtiger als effizient sein. Wer nur Kosten sparen will, spart am falschen Ende, weil wenn der Kunde keinen Nutzen hat, will er nichts dafür bezahlen und wird sich eine andere Bank suchen – auch wenn er dort mehr bezahlen muss.

Die IT ist also nicht mehr nur eine unterstützende Aktivität in der Bankdienstleistung, sondern eine der wesentlichen Primäraktivitäten geworden. Die Bank, die also ihre IT im Griff hat, hat damit eine Aktivität mit hohem Differenzierungspotenzial in der Hand. Nur wer diesen Unterschied verstanden hat und realisieren kann, hat dadurch ein Mittel um den Kunden ein einzigartiges Erlebnis zu bieten und an sich zu binden.

Fazit

Banken, die ihren Aktienkurs nachhaltig steigern wollen, müssen als Voraussetzung digitale Exzellenz erreichen. Das bedeutet sie müssen eine umfassende digitale Transformation durchführen und ihren Kunden optimale Prozesse anbieten zu können. Das kann nur gelingen, wenn sie zuvor ihre IT-Architektur für kontinuierliche Änderbarkeit ausgelegt haben.

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